Ethereum 2.0 ist kein neuer Token und kein einmaliger Netzwerkstart. Ethereum wird schrittweise weiterentwickelt. Nach Pectra im Mai 2025 und Fusaka im Dezember 2025 arbeitet die Community an Glamsterdam für die zweite Jahreshälfte 2026. Im Mittelpunkt stehen eine effizientere Blockproduktion, besser überprüfbare Blockdaten und weitere Skalierungsschritte.
Für Nutzer und Anleger ist die wichtigste Klarstellung: Es gibt keinen neuen ETH-Token, in den bestehende ETH umgetauscht werden müssten. Angebote, die wegen eines Upgrades eine „Migration“ mit Seed Phrase oder Überweisung verlangen, sind verdächtig. Protokoll-Upgrades werden von Client-Teams, Validatoren und Infrastrukturbetreibern umgesetzt.
Inhaltsverzeichnis
Ethereum Upgrades statt Ethereum 2.0
„Ethereum 2.0“ war eine verbreitete Sammelbezeichnung für den Übergang zu Proof of Stake und weitere Skalierungspläne. Sie ist heute missverständlich, weil Ethereum nicht durch eine zweite, getrennte Blockchain ersetzt wurde. Der Konsens wechselte 2022 mit dem Merge zu Proof of Stake; danach folgten weitere Hard Forks mit einzelnen Ethereum Improvement Proposals.
Diese Arbeitsweise ist für die Bewertung wichtig. Ein Upgrade kann Gebührenregeln, Validatoren, Datenverfügbarkeit oder Kontofunktionen ändern, löst aber nicht automatisch jedes Skalierungsproblem. Außerdem kann sich der endgültige Umfang bis zur Aktivierung verändern. Die Ethereum Foundation weist für Glamsterdam ausdrücklich darauf hin, dass sich die enthaltenen Vorschläge noch entwickeln.
Was Pectra und Fusaka gebracht haben
Pectra wurde am 7. Mai 2025 im Ethereum-Mainnet aktiviert. Zu den sichtbaren Änderungen gehörte EIP-7702. Es erlaubt extern kontrollierten Konten, vorübergehend Smart-Contract-Funktionen zu nutzen. Damit werden etwa gebündelte Aktionen oder flexiblere Autorisierungsmodelle möglich. Ob eine Wallet diese Möglichkeiten sicher und benutzerfreundlich umsetzt, hängt jedoch von der jeweiligen Anwendung ab.
Für Validatoren erhöhte Pectra unter anderem den maximal wirksamen Einsatz pro Validator. Das kann die Verwaltung großer Staking-Bestände vereinfachen. Es ändert nichts daran, dass Staking technische, Slashing-, Verwahrungs- und Liquiditätsrisiken besitzt. Renditen sind variabel und kein risikofreier Zins.
Fusaka folgte nach Angaben der Ethereum Foundation im Dezember 2025. Das zentrale Skalierungselement war PeerDAS: Validatoren müssen nicht mehr sämtliche Blob-Daten vollständig herunterladen, sondern prüfen Stichproben verteilter Daten. Blobs transportieren Daten für Rollups günstiger als reguläre Transaktionsdaten. Die Foundation nennt außerdem eine Erhöhung des Mainnet-Gaslimits auf 60 Millionen. Mehr Kapazität verlangt gleichzeitig sorgfältige Beobachtung der Hardware- und Bandbreitenanforderungen.
Glamsterdam 2026: ePBS und Block Access Lists
Glamsterdam ist das nächste größere Upgrade-Paket und wird von ethereum.org für die zweite Hälfte 2026 eingeordnet. Zwei Konzepte stehen besonders im Fokus: Enshrined Proposer-Builder Separation (ePBS) und Block Access Lists (BALs). Beide betreffen die Herstellung und Prüfung von Blöcken – nicht einen automatischen Kurssprung von ETH.
ePBS soll die heute weitgehend außerhalb des Protokolls organisierte Trennung zwischen Blockvorschlag und Blockbau stärker in das Ethereum-Protokoll integrieren. Ziel ist ein robusteres Verfahren mit weniger Vertrauen in externe Relays. Das kann die Infrastruktur vereinheitlichen, beseitigt aber nicht jede Frage rund um Block-Builder-Konzentration oder Maximal Extractable Value.
Block Access Lists sollen vorab sichtbar machen, auf welche Teile des Zustands ein Block zugreift. Dadurch könnten Knoten Transaktionen besser parallel prüfen und Daten effizienter vorladen. Das ist eine Grundlage für höhere Ausführungskapazität. Wie groß der reale Effekt ausfällt, hängt von Implementierung, Client-Leistung und den endgültigen Protokollparametern ab.
Folgen für Nutzer, Staker und Layer 2
- Nutzer: Verbesserungen kommen meist über Wallets und Anwendungen an. Niemand muss ETH wegen Glamsterdam gegen einen neuen Token tauschen.
- Staker: Validatoren und Anbieter müssen kompatible Client-Versionen rechtzeitig einspielen. Ausfälle oder falsche Konfiguration können Erträge und Verfügbarkeit beeinträchtigen.
- Layer 2: Rollups bleiben der Kern der Ethereum-Skalierungsstrategie. Bessere Datenverfügbarkeit kann ihre Kosten senken, doch Gebühren hängen auch von Nachfrage und dem jeweiligen Rollup ab.
- Entwickler: Neue Kontofunktionen und Ausführungsmodelle schaffen Möglichkeiten, erhöhen aber den Prüfaufwand für Wallets und Smart Contracts.
Wie sich dieses Modell vom integrierten Ansatz Solanas unterscheidet, zeigt unser sachlicher Vergleich Solana vs. Ethereum. Für DeFi-Anwendungen ist außerdem relevant, dass mehr Kapazität keine Smart-Contract-Risiken beseitigt; dazu dient unser Überblick zu den DeFi-Trends 2026.
Risiken und offene Punkte
Glamsterdam befand sich zum Recherchezeitpunkt noch in Entwicklung. Die Ethereum Foundation berichtete im April 2026, der Fortschritt sei langsamer als erwartet. Testnet-Ergebnisse, Client-Bereitschaft und die Auswahl konkreter EIPs können den Zeitplan beeinflussen. Ein angekündigtes Upgrade sollte daher nicht so beschrieben werden, als sei jede Funktion bereits im Mainnet aktiv.
Auch wirtschaftlich gilt: Technischer Fortschritt ist nicht mit einer garantierten Wertsteigerung von ETH gleichzusetzen. Nachfrage nach Blockspace, Wettbewerb zwischen Netzwerken, Layer-2-Wertschöpfung, regulatorische Entwicklungen und allgemeine Marktbedingungen beeinflussen die Bewertung. Anleger sollten Produktfortschritt und Tokenpreis getrennt untersuchen.
Fazit
Die Ethereum Upgrades 2026 setzen den schrittweisen Umbau des Netzwerks fort. Pectra erweiterte Konto- und Validatorfunktionen, Fusaka verbesserte die Datenverfügbarkeit für Rollups, und Glamsterdam soll Blockbau sowie parallele Überprüfung weiterentwickeln. Das sind relevante technische Fortschritte, aber keine pauschale Lösung für Gebühren, Zentralisierungs- oder Anlagerisiken.
Für Nutzer lautet die praktische Konsequenz: keine Token-Migration vornehmen, Wallet- und Staking-Anbieter auf Upgrade-Kompatibilität prüfen und endgültige Funktionen erst nach offizieller Aktivierung als live betrachten. Recherche- und Protokollstand: 20. Juli 2026.
Quellen
- ethereum.org: Glamsterdam-Upgrade, aktualisiert am 24. Juni 2026 (offizielle Projektdokumentation).
- ethereum.org: Pectra-Upgrade (offizielle Projektdokumentation).
- Ethereum Foundation: Protocol Priorities Update 2026, 18. Februar 2026.
- Ethereum Foundation: Checkpoint #9, 10. April 2026.
- ethereum.org: Skalierungsansätze und Rollups (technische Dokumentation).


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