Das Minnesota Prognosemarkt-Verbot darf vorerst nicht gegen CFTC-registrierte Vertragsmärkte durchgesetzt werden: US-Bundesrichterin Katherine Menendez erließ am 27. Juli 2026 eine einstweilige Verfügung zugunsten der CFTC, Kalshi und Polymarket US. Damit können die Plattformen im Bundesstaat weiter Event-Kontrakte anbieten, während das Gericht die Hauptsache prüft. Die Entscheidung erklärt Minnesotas Gesetz weder endgültig für unwirksam noch alle Prognosemärkte pauschal für zulässig.
Der Streit betrifft eine zentrale Regulierungsfrage: Darf ein US-Bundesstaat Prognosemärkte als Glücksspiel verbieten, wenn die Betreiber als Designated Contract Markets bei der Commodity Futures Trading Commission registriert sind? Das Gericht hält es vorläufig für wahrscheinlich, dass das Bundesrecht Minnesotas pauschale Durchsetzung zumindest teilweise verdrängt. Zugleich betont der 44-seitige Beschluss, dass nicht jeder denkbare Event-Kontrakt zwingend unter die exklusive CFTC-Zuständigkeit fällt.
Inhaltsverzeichnis
Minnesota Prognosemarkt-Verbot: Das Wichtigste
- Das US-Bundesgericht für Minnesota erließ die einstweilige Verfügung am 27. Juli 2026; das Gesetz sollte am 1. August in Kraft treten.
- Geschützt sind vorläufig Unternehmen, die bei der CFTC als Designated Contract Markets registriert sind. Der Beschluss nennt insbesondere Kalshi und Polymarket US.
- Das Gericht sieht eine ausreichende Wahrscheinlichkeit, dass der Commodity Exchange Act Minnesotas Durchsetzung bei einem erheblichen Teil der Event-Kontrakte verdrängt.
- Die Verfügung gilt bis zur endgültigen Entscheidung in den verbundenen Verfahren. Sie ist kein abschließendes Urteil über die Gültigkeit des Gesetzes.
- Offen bleibt, welche einzelnen Märkte rechtlich als „Swaps“ gelten und damit unter die exklusive Bundeszuständigkeit fallen.
Was das Gericht vorläufig entschieden hat
Der Originalbeschluss in United States of America v. State of Minnesota, ECF Nr. 76, verbindet drei Verfahren: die Klagen der Vereinigten Staaten und der CFTC, von KalshiEX sowie von QCX LLC, das Polymarket US betreibt. Menendez gab den drei Anträgen auf eine einstweilige Verfügung statt. Minnesota darf das neue Gesetz bis zur Hauptsacheentscheidung nicht gegen CFTC-registrierte Vertragsmärkte durchsetzen.
Das Gesetz hätte den Betrieb, die Unterstützung und die Werbung für Prognosemärkte im Bundesstaat strafrechtlich erfasst. Es zielt unter anderem auf Kontrakte zu Sport, Wahlen, Regierungsentscheidungen, Krieg, Katastrophen, Wetter und Popkultur. CBS Minnesota bestätigt, dass Gouverneur Tim Walz die Regelung im Mai unterzeichnete und die Durchsetzung wenige Tage nach dem Gerichtsbeschluss beginnen sollte.
Für eine einstweilige Verfügung genügt kein bloßer Zweifel am Gesetz. Die Kläger mussten unter anderem eine Erfolgsaussicht in der Hauptsache, drohenden nicht wiedergutzumachenden Schaden sowie ein überwiegendes öffentliches Interesse darlegen. Das Gericht sah diese Voraussetzungen vorläufig als erfüllt an. Es verzichtete auf eine Sicherheitsleistung, weil Minnesota dem nicht widersprochen hatte und die Verfügung dem öffentlichen Interesse diene.
Warum Bundesrecht das Gesetz teilweise verdrängen könnte
Der Commodity Exchange Act gibt der CFTC eine exklusive Zuständigkeit für Transaktionen mit Swaps, die auf registrierten Vertragsmärkten gehandelt oder ausgeführt werden. Nach der vorläufigen Analyse können Event-Kontrakte als Swaps gelten, wenn ihre Auszahlung von einem Ereignis mit möglichen finanziellen, wirtschaftlichen oder kommerziellen Folgen abhängt. Das Gericht nennt als Beispiele Wahlen, Teamwechsel im Profisport, den Ausgang einer Weltmeisterschaft oder die Normalisierung des Verkehrs in der Straße von Hormus.
Kalshi und Polymarket US sind nach den Feststellungen des Gerichts als Designated Contract Markets registriert. Für solche Transaktionen könnte Minnesota deshalb nicht parallel ein pauschales strafrechtliches Verbot durchsetzen. Der Beschluss hält die Regelung „zumindest teilweise“ für wahrscheinlich verdrängt. Diese Formulierung ist entscheidend: Das Gericht erkennt einen erheblichen Bundesvorrang, zieht aber noch keine endgültige Grenze.
| Ebene | Gegenstand | Stand nach der Verfügung |
|---|---|---|
| CFTC | Swaps und Event-Kontrakte auf registrierten Vertragsmärkten | Exklusive Bundeszuständigkeit ist für viele Märkte wahrscheinlich |
| Minnesota | Strafrechtliches Verbot von Betrieb, Unterstützung und Werbung | Gegen CFTC-registrierte DCMs vorläufig nicht durchsetzbar |
| Bundesgericht | Abgrenzung zwischen Bundes- und Landesrecht | Hauptsache und Reichweite der Verdrängung bleiben offen |
Welche Event-Kontrakte nicht eindeutig erfasst sind
Die richterliche Begründung schützt nicht automatisch jedes Produkt auf einer registrierten Plattform. Als Gegenbeispiele nennt der Beschluss Märkte zum Gewinner einer Reality-TV-Sendung oder dazu, welche Wörter Kommentatoren während eines Fußballspiels sagen. Bei solchen Ereignissen sei schwer erkennbar, worin die gesetzlich verlangte finanzielle, wirtschaftliche oder kommerzielle Folge liege. Sie könnten außerhalb der Swap-Definition liegen.
Weil beide Seiten den Streit weitgehend als Alles-oder-nichts-Frage behandelt hatten, fehlte dem Gericht in diesem frühen Stadium eine belastbare Grundlage für eine feinere Verfügung. Menendez wählte deshalb eine vorläufig breite Sperre, um den Status quo zu erhalten. Eine spätere Entscheidung kann den Schutz enger fassen oder das Gesetz teilweise wieder anwendbar machen. Reuters berichtet ebenfalls, dass die Richterin eine spätere Begrenzung auf bestimmte Vertragstypen ausdrücklich für möglich hält.
Was die Verfügung für Kalshi und Polymarket bedeutet
Kurzfristig müssen Kalshi und Polymarket US ihre Angebote für Minnesota nicht wegen des neuen Gesetzes einstellen. Das Gericht verweist bei Kalshi auf mehr als 90.000 verifizierte Nutzer im Bundesstaat und offene Positionen im Millionenwert. Eine erzwungene Schließung hätte nach der vorläufigen Einschätzung strafrechtliche Risiken, mögliche Ansprüche von Kunden und nicht ersetzbare Schäden an Vertrauen und Reputation ausgelöst.
Die Plattformen erhalten damit jedoch keine Garantie für einen dauerhaften Betrieb. Minnesota kann das Gesetz weiter verteidigen, und andere bundesstaatliche Verfahren kommen teils zu anderen Zwischenergebnissen. The Block ordnet den Beschluss in eine landesweite Reihe widersprüchlicher Entscheidungen ein: Während Minnesota vorläufig nicht vollstrecken darf, haben Gerichte in anderen Bundesstaaten sportbezogene Angebote eingeschränkt.
Wie die Entscheidung in die Prognosemarkt-Regulierung passt
Das heutige Urteil behandelt die Kompetenzverteilung zwischen Bundes- und Landesrecht. Davon zu unterscheiden ist die Frage, wie registrierte Börsen einzelne Produkte bei der Bundesaufsicht einreichen. Unser Beitrag zu den neuen CFTC-Vorgaben für Event-Kontrakte erklärt, warum breite Musterzertifizierungen nicht ausreichen und Datenquellen, Abwicklung sowie Vertragsbedingungen je Variante nachvollziehbar sein müssen. Eine Plattform kann also vor einem Landesverbot geschützt sein und dennoch strenge Bundesvorgaben für konkrete Märkte erfüllen müssen.
Auch technische Onchain-Modelle lösen den Zuständigkeitsstreit nicht automatisch. Beim erlaubnisfreien Prognosemarkt-Ansatz Hyperliquid HIP-4 sollen Validatoren Vorlagen genehmigen, Betreiber Stake hinterlegen und Streitfälle im Protokoll gelöst werden. Das Minnesota-Verfahren betrifft dagegen registrierte US-Vertragsmärkte und staatliches Glücksspielrecht. Dezentralisierung, CFTC-Registrierung und die konkrete Produktdefinition sind getrennte Prüfebenen.
Welche Risiken und Fragen offenbleiben
- Hauptsache: Das Gericht hat die Rechte der Parteien noch nicht endgültig bestimmt.
- Produktgrenzen: Nicht geklärt ist, welche konkreten Event-Kontrakte als Swaps unter die exklusive CFTC-Zuständigkeit fallen.
- Weitere Bundesstaaten: Die Verfügung bindet nicht automatisch Gerichte in New York, Michigan, Washington oder anderen Staaten.
- Verbraucherschutz: Eine CFTC-Registrierung beseitigt weder Manipulations-, Insiderhandels-, Sucht- noch Liquiditätsrisiken.
- Rechtsmittel: Minnesota kann weitere gerichtliche Schritte gegen die vorläufige Sperre prüfen.
Für Nutzer ist deshalb weder „vollständig legal“ noch „generell verboten“ eine belastbare Kurzform. Entscheidend sind Plattformstatus, Bundesstaat, Vertragstyp und der aktuelle Stand des jeweiligen Verfahrens. Event-Kontrakte bleiben spekulative Produkte: Ein richtiger Ausgang ist nicht garantiert, offene Positionen können an Wert verlieren und rechtliche Änderungen können die Verfügbarkeit beeinflussen.
Fazit zum Minnesota Prognosemarkt-Verbot
Das Minnesota Prognosemarkt-Verbot ist vorläufig gestoppt, weil das Gericht für viele Event-Kontrakte einen wahrscheinlichen Vorrang der exklusiven CFTC-Zuständigkeit sieht. Kalshi und Polymarket US dürfen deshalb bis zur Hauptsacheentscheidung im Bundesstaat weiterarbeiten. Der Beschluss ist für die Branche relevant, weil Minnesota erstmals ein ausdrückliches, umfassendes Prognosemarkt-Gesetz durchsetzen wollte.
Die wichtigste Einschränkung bleibt ebenso klar: Das Gericht hat weder alle Event-Kontrakte als Swaps eingeordnet noch das Gesetz endgültig verworfen. Die nächste Phase muss klären, wo Bundesaufsicht endet und staatliches Glücksspielrecht beginnt. Der Beitrag ist keine Rechts- oder Anlageberatung.
Quellen
- Primärquelle: U.S. District Court, District of Minnesota – Order on Plaintiffs’ Motions for Preliminary Injunction, ECF No. 76, eingereicht am 27. Juli 2026 um 15:39 Uhr CDT.
- Sekundärquelle: CBS Minnesota – Federal judge temporarily blocks Minnesota law that would ban most bets on prediction markets, veröffentlicht am 27. Juli 2026.
- Sekundärquelle: Reuters – Judge blocks Minnesota from implementing novel prediction markets ban, veröffentlicht am 27. Juli 2026.
- Sekundärquelle: The Block – Judge blocks Minnesota from enforcing prediction market ban, veröffentlicht am 28. Juli 2026.




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